Die Jugendlichen äußerten, dass sie es gut fanden, das Erfahrene gleich in die Praxis zu übertragen. Wenn sie mit der Theorie nach Hause gefahren wären, ohne in der Schulung ein konkretes Projekt geplant zu haben, hätten viele "keinen Nerv" (O-Ton) gehabt, eigene Projekte anzugehen. Gerade die Jungen bemerkten, dass sie viel lieber sofort etwas anpacken wollen, ohne "lange zu reden" (Zitat eines 16-Jährigen).
"Wenn man so lange vorher planen muss, geht einem schnell die Lust aus. Auf der anderen Seite erreichst Du nur so etwas Großes. Ich weiß aber noch nicht, ob ich mir so was auch später noch antue" (18-jähriger Junge).
Die Kleingruppen bekamen außer ihrem Arbeitsauftrag keine weiteren Regeln mit. Zeiteinteilung und Arbeitsweise sollten die Gruppen unter sich besprechen, so wie sie sich ja auch ihre Projekte selber gesucht hatten. Auch dieses empfanden die Mädchen und Jungen als angenehm. Die Kleingruppenphasen wurden übrigens in der Länge auf Wunsch der Jugendlichen mehrmals ausgedehnt. So waren sie auch bei der Gestaltung des Schulungsverlaufes beteiligt.
Dass Jugendliche selbst in der "Spaßgesellschaft" noch Interesse daran haben, an politischen und gesellschaftlichen Prozessen beteiligt zu werden, zeigt sich in diesem Projekt daran, dass zwei von drei Kleingruppen sich ein partizipatorisches Projekt ausgesucht haben. "Mir stinkt es, dass die Kinder immer die Dummen sind. Aber ich merke, dass auch wir Jugendlichen nur dann gehört werden, wenn wir etwas machen!", so ein 15-jähriges Mädchen zur Begründung.
Low-Light: "Mitarbeitendenkreis Kirchheimbolanden"
Seit Frühjahr 2001 leite ich einen Kreis von Jugendlichen, die sich nach der Konfirmation an der Mitarbeit bei der evangelischen Jugend interessiert zeigten (zur Zeit zwischen 15 und 16 Jahre alt). Von Anfang an war eingeplant, die betreffenden Jugendlichen an den Inhalten und Aktionen des "MAKs" (Mitarbeitendenkreis Kirchheimbolanden) zu beteiligen.
Ziel war es, dass die Jungen und Mädchen ihre Bedürfnisse und Ideen äußern und gemeinsam an der Gestaltung des "MAKs" und ihrer Arbeit als Ehrenamtliche mitwirken.
Im Laufe der Zeit hat sich heraus gestellt, dass diese Idee gründlich "in die Hose" ging. Obwohl die Jugendlichen bereit waren, sich für die evangelische Jugend zu engagieren, waren sie nicht dazu zu bewegen, selbst die Richtung vorzugeben. Vielmehr erwarteten sie von mir, dass ich ihnen vorschlage, was sie zu tun haben. Nur mit Mühe gelang es zumindest ab und an, dass sie einen Teil der Projektausgestaltungen mitbestimmten. An weiteren inhaltlichen Themen wie "Jugend und Politik", "Was uns in Kibo (Kirchheimbolanden) stinkt" und "Kirche für uns" waren sie nicht interessiert. So war es mir kaum möglich, die Jungen und Mädchen für partizipatorische Arbeit zu interessieren. Viel wichtiger war ihnen der Austausch von Erfahrungen und das Gespräch über persönliche Probleme. Diese Wünsche erfülle ich ihnen gerne; der Grundgedanke des MAKs, die Jugendlichen für partizipatorische Arbeit zu interessieren, konnte bislang allerdings nicht realisiert werden.
Ich denke, dass Partizipation nicht in allen Bereichen unserer Arbeit greift, weil es einfach Menschen gibt, die sich nicht partizipieren lassen möchten (oder auf unsere Angebote nicht "anspringen")!
Herr Thomas Klein, Kirchheimbolanden