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Partizipation in der Kindertagesstätte am Beispiel des Projektes "Große Kunst aus kleiner Hand" (Durchführung während des gesamten Kindergartenjahres 2002-2003)

Entstehungsgeschichte:
Viele Kindertagesstätten bieten ihren Kindern das Thema Kunst an. In den meisten Fällen orientieren sich die Kinder an großen Künstlern und ahmen deren Gemälde oder Skulpturen nach. Nicht so bei uns! Die Kinder selbst sind Künstler und dürfen sich auch so fühlen, ohne Kunstwerke großer Künstler zu kopieren. Uns war es wichtig, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken bis hin zu "ICH BIN EIN KÜNSTLER". 

Projektbeschreibung:
Zunächst starteten wir mit dem Ausprobieren vielfältigster Mal- und Basteltechniken. Diese ausgiebige Experimentierphase weckte die Kreativität und "Arbeitsfreude" zum Thema Kunst. Das Fotografieren der Kinder bei den Aktionen vermittelte ihnen, "Ich bin etwas Besonderes - Ich tue etwas Besonderes".

Zur Weihnachtszeit besuchten die Kinder die Kunstausstellung einiger im Dorf ansässigen Künstler. Einer dieser Künstler traf sich an verschiedenen Nachmittagen im Frühjahr mit unseren Schlaumeiern zur Kunst-AG.
Hier wurden Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten hergestellt. Auch die Erzieherinnen arbeiteten mit dem einzelnen Kind und in verschiedenen Gruppenkonstellationen.

Die Kinder mussten Absprachen untereinander treffen, Arbeitsergebnisse begutachten, weiterentwickeln oder verändern. Alle Beteiligten hatten viel Spaß, immer wieder kamen neue Projekte. Einige konnten in kurzer Zeit beendet werden, andere benötigten mehrere Arbeitsschritte oder gemeinsame Treffen. 

Während dieser Zeit entstanden viele kreative Kunstwerke. Schnell stand fest, dass diese Werke Zugang zur Öffentlichkeit finden mussten. Die Planung der Kunstausstellung "Große Kunst aus kleiner Hand" begann.
Kinderhände standen Modell für die Plakate und Einladungskarten. Die Erzieherinnen besprachen mit Kindern und Eltern, dass die Kunstwerke nicht nur ausgestellt, sondern auch verkauft werden sollten. Viele Kinder hatten anfangs Probleme mit dem Gedanken, sich von ihren Werken zu trennen. Spätestens die Aussicht, dass sie ihre Eltern und Großeltern ja überreden könnten, die Dinge zu kaufen, überzeugte sie und sie gaben ihr Einverständnis zum Verkauf.

Höhepunkt der Vernissage war die Versteigerung unserer vier größten Gemeinschaftsarbeiten. Angespornt von den Kindern, welche selbst am jeweiligen Objekt mitgearbeitet hatten, entfachte sich unter den Eltern teilweise ein regelrechtes Übertrumpfen wollen. Der Verkauf unseres mit Hilfe der Kinder hergestellten Bildbandes "Kinderzeichnungen sehen - Kinderzeichnungen verstehen - Die Bildsprache der Kinder" fand reißenden Absatz unter den Besuchern.

Alle Eltern fanden mehrere Zeichnungen ihres Kindes und ein Gruppenfoto der Künstler in diesem Band, was allein schon Anreiz genug war, diesen zu kaufen. Während der Vernissage und der Ausstellung in den Räumen der Kindertagesstätte übten sich einige Kinder als "Ausstellungsführer". Sie erklärten den Besuchergruppen Herstellungsdetails und Besonderheiten einiger Werke. Während einer separaten Diashow konnten die Gäste u. a. die Kinder bei der Entstehung der ausgestellten Kunstwerke bestaunen. Auf diese Weise konnten sich Interessierte viele Anregungen zur Nachahmung holen. Eine Fotomappe gab den Eltern die Gelegenheit, Schnappschüsse der agierenden jungen Künstler nachzubestellen und diese neben den Kunstwerken als Erinnerung an dieses schöne Erlebnis aufzubewahren.

Vom Erlös unserer Ausstellung fuhren die Kinder und Erzieherinnen einige Wochen später ins Schloss Freudenberg, welches unter dem Motto "Vom Begreifen der Kunst zur Kunst des Begreifens" steht. Wir stärkten sie immer wieder in dem Gedanken "Wir haben uns die Fahrt selbst verdient", was sie sehr stolz machte.
Ein Beispiel: Gemeinschaftsarbeit!

Das Ergebnis
Die Kinder haben während dieser künstlerischen Zeit zunehmend Selbstwertgefühl entwickelt. Sie lernten ohne Streit Kompromisse zu schließen, wenn sich die Vorstellungen während Gemeinschaftsarbeiten nicht deckten. Jedes Kind merkte, dass das was es herstellte einzigartig war und Anerkennung bekam.
Sogar zwei Jahre nach diesem Großprojekt, erzählen Kinder, Eltern und Erzieherinnen noch immer von diesem großartigen Erlebnis.

Ansprechpartner:
Marina Bitter, Leiterin der Kindertagesstätte
Tel.: 06359/3336
E-Mail: werner_bitter(at)t-online.de