Caritasverband für die Region Trier e. V.
Integrative Kindertagestätte HAUS TOBIAS - Projekt zur Partizipation mit Vorschulkindern
Die zukünftigen Schulkinder gestalteten ein selbst bestimmendes Projekt.
Der Prozess, der dabei stattfand wird Schritt für Schritt zum Thema "Wir bauen eine große Ritterburg" beschrieben.
Teilnehmer:
- 3 Mädchen und 6 Jungen im Alter von ca. 6 Jahren. 5 Kinder kamen aus dem Regelbereich und 4 Kinder, darunter ein autistisches Kind, aus dem Förderbereich.
- 2 Erzieherinnen
Treffen:
jede Woche donnerstags von ca. 11.00 bis 12.00 Uhr (insgesamt 21 Treffen)
Hilfsmittel:
- Eine große Uhr, an der die zur Verfügung stehende Zeit markiert wurde
- Eine Handpuppe "Biene", als Zeichen, wer sprechen darf
- Eine kleine Drehorgel, die zum Abschluss des Treffens Musik macht
- Glasmuggelsteine als Abstimmungssteine, zur optischen Markierung der Wünsche und zum Abzählen, in welcher Häufigkeit eine Sache gewünscht wurde
- Holzstifte und Papier zum Malen
Vorgehensweise:
- In einem Brainstorming wurden von den Kindern Ideen gesammelt, was sie gerne zusammen machen möchten, was sie interessiert.
- Jedes Kind malte eine von seinen Ideen auf ein Blatt Papier, diese wurden auf ein großes Plakat geklebt und aufgehängt.
Folgende Vorschläge wurden zusammengetragen:
- Spielen in der Turnhalle (2x)
- Ritterburg basteln / bauen (2x)
- Haus bauen
- Vulkan bauen
- Auto basteln
- als Prinzessin verkleiden - Frage: was machen wir mit den vielen Ideen? Die Kinder einigten sich einstimmig auf den Vorschlag, in der Turnhalle zu spielen.
- Es dauerte 2 Treffen, bis die Kinder feststellten und akzeptierten, dass die Idee nicht realisierbar ist, da die Turnhalle immer belegt ist. Diese Idee wurde somit auf dem Plakat mit Rot durchgestrichen.
- Entscheidung für eine andere Idee:
Als Hilfsmittel wurden die "Stimmsteine" (Glasmuggelsteine) auf die gewünschten Ideen (=gemaltes Bild) geklebt. Bilder ohne Steine wurden auch mit Rot durchgestrichen. So blieben schließlich vier Vorschläge übrig: Haus bauen (1 Stein), Auto basteln (1 Stein), Ritterburg bauen (7 Steine) - Die Kinder wollten nun eine Burg bauen, da dies am meisten gewünscht wurde, und zwar eine große Burg (Zitat: "eine große Burg, wo mindestens zwei Kinder darin stehen können")
- Brainstorming. Wie sieht eine Ritterburg aus? Dazu wurden Bilder von Burgen betrachtet.
- Nächster Schritt: Überlegung, wo die Burg gebaut werden könnte. Die Kinder hatten viele Ideen und führten angeregte Diskussionen, was dafür und was dagegen spricht. Die möglichen Standorte wurden aufgemalt und wieder durchgestrichen, übrig blieb ein Raum im Keller. Den Kindern war es wichtig, dass andere Kinder keinen Zugang hatten. Ein Kind informierte mündlich alle Gruppen.
- Ausprobierphase, woraus die Burg gebaut werden könnte: Bausteine waren zu klein und fielen leicht um, Schaumstoffelemente hielten auch nicht zusammen, der Vorschlag einer Erzieherin fand große Resonanz: eine Burg aus Schuhkartons mit Klebeband bauen. Dies erforderte dann eifriges Sammeln von Kindern, Eltern, Erziehern und unserem Zivildienstleistenden.
- Sechs Wochen eifriges Bauen folgten (in Kleingruppen) bis die Burg in der Turnhalle zusammengesetzt werden konnte. Das Ergebnis war für die Kinder überwältigend und in ihren Gesichtern war großer Stolz zu sehen. Bei der Übernachtung im Kindergarten konnten fünf Kinder und eine Erzieherin in der Burg schlafen.
- Die Burg wurde auf Wunsch der Kinder mit einem Wappen, einer Zugbrücke und 2 Dächern auf den Türmen versehen - endlich stand sie zum freien Spiel zur Verfügung! Auch andere Gruppen durften damit spielen.
Abschlussreflexion des gesamten Projektes:
Das Projekt wurde Schritt für Schritt nochmals besprochen. Fast alle Kinder wussten noch, welchen Vorschlag sie eingebracht hatten. Der Grund, warum die Turnhallen-Idee nicht verwirklicht werden konnte, war noch präsent, genauso wie die weitere Vorgehensweise.
Die Kinder erzählten, was ihnen gefallen, bzw. was ihnen nicht gefallen hat.
Positiv: mehrfach wurden das gesamte Projekt, sowie die fertige Burg und das Spielen darin genannt, auch das Bauen machte Spaß.
Negativ: einige Kinder fanden das viele und lange Bauen sowie unvermeidbare Wartezeiten nicht so schön.
Die Reflexionen der Kinder waren sehr ehrlich, vielseitig und für uns nachvollziehbar und überwiegend positiv. Als Überraschung wurde zum Abschluss ein Ritterfest in der Burg gefeiert. Jedes Kind bekam zur Erinnerung eine Mappe mit den gemalten Bildern und einer individuellen Zusammenfassung des Projektes mit Fotos.
Erfahrungen während des Projektes:
- Die Kinder haben viel geleistet (gedanklich, in Diskussionen, rege Beteiligung...) und eigene Ideen realisiert.
- Sie haben große Ausdauer bewiesen.
- Die Kinder haben sich positiv weiterentwickelt, bzw. wir lernten einige von einer neuen Seite kennen.
- Anfangs griffen die Kinder auf bekannte Ideen zurück, später konnten sie sich davon lösen.
- Sie lernten durch Ausprobieren und akzeptierten so Grenzen.
- Anfangs waren die Gesprächskreise unruhig, später hätten sie oft noch länger diskutieren können, es kam Spaß am Diskutieren auf.
- Die Kinder entwickelten ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl - neue Freundschaften entstanden.
- Die Kinder verhielten sich sehr sozial und nahmen von sich aus Rücksicht auf das Kind mit Autismus: sie lernten, auf ihn und seine Bedürfnisse und seine Grenzen einzugehen.
- Die Kinder waren sehr kreativ bei Problemlösungen.
- Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wurden gestärkt.
- Die Kinder hatten ein großes Erinnerungsvermögen, auch für Details.
- Jedes Kind fand für sich etwas Positives an dem Projekt (das Bauen, das Spielen).
- Sie trafen sich gerne und bereitwillig zu dem Projekt.
- alle Kinder waren sehr stolz auf ihre Leistung.
Kontakt:
Caritasverband für die Region Trier e. V.
Integrative Kindertagesstätte "Haus Tobias"
Susanne Fuchs
Von-Pidoll-Straße 16
54293 Trier
Tel. 0651/64770
rcv-trier-haus-tobias(at)t-online.de


