Bürgermeister-Sprechstunde
Am Anfang vieler Partizipationsvorhaben steht der politische Wille der für das Gemeinwesen Verantwortlichen - oft der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin. Die Einrichtung fester Sprechstunden für Kinder und Jugendliche kann eine Form sein, die Wünsche junger Menschen kennen zu lernen und mit ihnen zu reden. Um die Hemmschwelle für den Dialog niedrig zu halten, können solche öffentlichen Sprechstunden dort abgehalten werden, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten (Schulen, Kitas, Jugendzentren).
Beispiel:
Daun / Mückeln
Bürgermeister-Sprechstunde
Bei einem Gang durch die Ortsgemeinde beobachtete der Bürgermeister von Mückeln einige Kinder, wie sie sich mit Werkzeug und Brettern in einem Windschutzgehölz Hütten bauen wollten. Er wies die Kinder darauf hin, dass zu jedem Hausbau auch eine Baugenehmigung erforderlich sei und erklärte ihnen das Verfahren. Noch am gleichen Tag stellten die Kinder handschriftlich einen "Bauantrag". Die "Baugenehmigung" wurde mit den gebotenen Auflagen wie: nur natürliche Materialien zu verwenden, keine Bäume zu beschädigen u. ä. - ebenfalls schriftlich - erteilt. Die Hütten wurden von den Kindern mit viel Spaß und Eifer errichtet und nach Fertigstellung vom Bürgermeister "förmlich" abgenommen.
Diese Aktion wurde im Rahmen des 1994 durchgeführten Landeswettbewerbs "Kinderfreundliche Kommune" mit einem Sonderpreis bedacht.
Die Geschichte zeigt, was der Dialog mit Kindern erfordert:
- persönliches Engagement
- Bereitschaft, Kinder in ihrer konkreten Situation ernst zu nehmen
- sich auf die Augenhöhe von Kindern zu begeben
- offen zu sein / auch ein bisschen Mut zu haben / nicht gleich "zumachen" / sich nicht gleich auf Paragrafen berufen und mit dem "Das geht nicht!" reagieren
- sich Zeit nehmen - Beteiligung ist immer ein Prozess
- Verbindlichkeiten eingehen / Wort halten
- durchaus aber auch Grenzen setzen und Mit- bzw. Selbstverantwortung einfordern
Aus dem ersten Schritt folgten weitere: Die Zahl der "Hüttenbauer" hat sich mit Unterstützung und Animation des Bürgermeisters vermehrt. Sie haben sich zu einem Kreis zusammen gefunden, mit dem der Bürgermeister regen Kontakt unterhält, den er immer wieder konsultiert, bei der Organisation von Dorffesten beteiligt, und der sich allmählich zu einer Art Kinderbeirat etabliert.