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Kinderbüros, Kinderbeauftragte, Lobby für Kinder

Kinderbüros oder Kinderbeauftragte werden von der Kommune oder von freien Trägern eingerichtet. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, niedrigschwellige, kindgerechte Ansprechstellen zu sein und in parteilicher Form die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu vertreten. Kinderbüros oder Kinderbeauftragte sollen die kontinuierliche Partizipation für Kinder und Jugendliche sichern. Sie organisieren deren Beteiligung in vielfältiger Form, initiieren z. B. Kinderparlamente, laden zu Kinderforen ein oder führen Kinderprojekte durch.

Kommunale Kinderbüros oder Kinderbeauftragte sind in die Verwaltungen der Städte oder Gemeinden eingebunden und können die Wünsche der Kinder in die Verwaltungsabläufe einbringen. Sind sie mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet, können Kinderbüros oder Kinderbeauftragte dafür sorgen, dass Kinderpolitik als Querschnittsaufgabe bei allen kommunalen Entscheidungen anerkannt wird. Kommunale Kinderbüros oder Kinderbeauftragte können selbst Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen, sie sind andererseits aber auch stärker durch Verwaltungsabläufe und Sachzwänge gebunden. Kinderbüros oder Kinderbeauftragte, die bei freien Trägern angesiedelt sind, sind bei der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen unabhängiger, haben dafür aber auch weniger Einflussmöglichkeiten.

Beispiel 1:
Trier-Saarburg/Trier
"triki" das Kinderinformationsbüro

Das triki-büro, das Informationsbüro für Kinder in Trier, hatte 1996 an 151 Öffnungstagen jeweils dreieinhalb Stunden geöffnet und in dieser Zeit über 1000 Besucherinnen und Besucher im Alter von 3 bis 70 Jahren. Den größten Anteil stellten Kinder und Jugendliche.

Das triki-büro versteht sich als Anlaufstelle für Kinderbelange. Es ist ein Ort, an dem junge Leute Gleichaltrige treffen und miteinander spielen können. Außerdem können dort Spiele ausgeliehen werden. Das Büro gibt Informationen über Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche im Trierer Raum. Es bearbeitet konkrete Anliegen durch Beratung und Weitervermittlung an andere Ämter. Ziel ist es, Verbesserungsvorschläge der Kinder und Jugendlichen baldmöglichst umzusetzen. Um den Informationsfluss zu verbessern, wurden zwischen den Ämtern regelmäßig "Stadtteilbesprechungen" abgehalten.

Zur stärkeren Bindung interessierter Kinder an das Büro und für eine Sammlung von Informationen aus Kindersicht wurde das triki-team ins Leben gerufen. Hier konnten Kinder Mitglied werden, die bei Stadtteilerkundungen besonderes Interesse gezeigt hatten und weiterhin für das triki-büro mitforschen wollten. Die Mitglieder erhielten alle drei Monate Fragebögen zu verschiedenen Themen mit frankiertem Rückumschlag. Diese Form der Beteiligung hat sich aber nicht bewährt.

Das Büro führt auch Projekte für Kinder durch. Mit Erfolg startete 1997 das Projekt "Verwaltung entdecken", bei dem Grundschulklassen ins Rathaus kommen und die Verwaltung kennen lernen. Dabei fließen die Anliegen der Kinder an die Erwachsenen zurück und wirken auf die Jugendhilfeplanung.

Beispiel 2:
Donnersbergkreis / Kirchheimbolanden
pro kids: Kinder- und Jugendanwälte

Der Donnersbergkreis ist ein Flächenkreis mit 12 Verbandsgemeinden und diese teilweise mit bis zu 20 Ortsgemeinden. Hier entwickelte der Landesjugendring mit den Vertreterinnen und Vertretern des Kreisjugendrings und des Kreisjugendamtes ein Modell, in dem "Kinder- und Jugendanwälte" gefunden und geschult werden sollten. Diese sollten dann in örtlichen Projekten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen deren Wünsche erarbeiten und umsetzen. Das Projekt wurde in der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden begonnen. Am Anfang gab es eine Auftaktveranstaltung mit etwa 60 Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Schulen, die ihre Vorstellungen zu dem Projekt äußern konnten. 95% der Jugendlichen stimmten der Idee mit den Kinder- und Jugendanwälten zu. Bei der Veranstaltung wurden die Vorschläge der Kinder und Jugendlichen gesammelt. Die Anwälte sollten nicht "zugeteilt" werden. Gesucht wurden Menschen, die das Vertrauen der Jugendlichen haben.

Bis zum Januar 1999 fanden drei Schulungen zu Kinder- und Jugendanwälten statt, 22 Anwälte sind derzeit in der Verbandsgemeinde mit ihren Projektgruppen aktiv. Bis auf eine Ortsgemeinde, für die sich noch kein Kinder- und Jugendanwalt gefunden hat, arbeitet in allen Ortsgemeinden mindestens eine Gruppe.

Die Anwälte wurden pädagogisch geschult und auf ihre Aufgabe als Moderator oder Moderatorin vorbereitet. Sie lernten die Politik- und Verwaltungsstrukturen sowie kinder- und jugendpolitische Umsetzungsstrategien kennen.

Mittlerweile wurden die ersten neuen Jugendräume eingeweiht, ein Bolzplatz gebaut, eine Sportplatzsanierung läuft, Basketballkörbe wurden finanziert und angeschafft. Die Kinder und Jugendlichen in den Gruppen erarbeiten nicht nur ihre Ideen und Vorschläge, sie helfen auch bei den Bauaktionen, veranstalten Sammlungen zur Finanzierung, reden mit dem Bürgermeister oder Gemeinderat.

Die Kinder- und Jugendanwälte treffen sich etwa alle 6 bis 8 Wochen und tauschen Erfahrungen und Strategien aus. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg ist, dass der Kreistag einen jährlichen Etat von 100.000,- DM für die Umsetzung von Wünschen der Jugendlichen bereitgestellt hat. Aber auch die Verbandsgemeinde und die einzelnen Ortsgemeinden unterstützen in der Regel die Projekte. Aufgrund des Erfolges hat der Jugendhilfeausschuss des Donnersbergkreises beschlossen, das Konzept in einer zweiten Verbandsgemeinde durchzuführen.