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Mitbestimmung in schulischen und außerschulischen Einrichtungen

Mitbestimmung in der Schule

Durch eine Mitbestimmungskultur in der Schule können Schülerinnen und Schüler von klein auf Demokratie als lebendig, machbar und lohnend erfahren. Mitbestimmung in diesem Sinne ist nicht beschränkt auf die Institution der Schülerinnen- und Schülervertretung, sondern soll in allen schulischen Bereichen gelebt werden. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten werden von der Schule bisher noch viel zu wenig genutzt. Die tatsächliche Beteiligung der Schülerinnen- und Schülervertretung bei der Regelung schulischer Angelegenheiten ist vielerorts gering. Wenn Kinder und Jugendliche in der Schule die Erfahrung machen können, dass sie in der Lage sind, selbst tätig zu werden und an gemeinsamen Aufgaben verantwortlich mitzuwirken, kann die Schule ein hervorragendes Feld zur Einübung von Selbstverantwortung und Mitbestimmung darstellen.


Beispiel 1:
Neuwied/ Neuwied
JUFI - Juniorenfirma der Ludwig-Erhard-Schule e.V.

  • Die JUFI der Ludwig-Erhard-Schule, eine Ganztagsschule in Neuwied, wurde 1992 mit folgenden Zielsetzungen gegründet:
  • Bereitstellung eines ernährungsbewussten Angebots und eines Mittagessens für Schülerinnen und Schüler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule
  • weitestgehende Abfallvermeidung und Umweltschutz
  • Unterstützung von "fair gehandelten" Waren durch Aufnahme ins Sortiment
  • Vermittlung von kaufmännischen Qualifikationen unter realen Bedingungen und das Einüben von eigenverantwortlichem Handeln im Team
  • Einrichtung einer Cafeteria

Die JUFI hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins, Mitglieder sind stets 12 bis 25 Schülerinnen und Schüler, die die Verwaltungsarbeiten Einkauf, Rechnungswesen und Personal in ihrer unterrichtsfreien Zeit erledigen. Für den Verkauf sind z. Zt. sieben Personen angestellt, die beiden Hausmeister und eine Reinigungskraft der Schule sorgen für Sauberkeit und Ordnung. Die Schülerinnen und Schüler werden in der täglichen Arbeit durch drei beratende Lehrkräfte unterstützt, ein pädagogischer Beirat, zu dem der Schulleiter und vier weitere Lehrkräfte gehören, nimmt die Aufsichtsfunktion wahr.
Die JUFI begann 1992 mit einem Kiosk, der sich wachsender Beliebtheit bei den Schülerinnen und Schülern erfreute, bei dem der Verkauf aber nur am Vormittag stattfinden konnte. Im Mai 1996 konnte endlich das Hauptziel, die Einrichtung einer Cafeteria mit einer Ausweitung des Angebots an warmen Speisen, erreicht werden.


Beispiel 2:

Südliche Weinstraße / Landau
BIG BEATS im Haus der Jugend

Im Haus der Jugend (HdJ) in Landau können Jugendliche ihre eigenen Ideen und Wünsche für Aktionen und Veranstaltungen verwirklichen. Begonnen hat alles mit Veranstaltungen im musikalisch-kulturellen Bereich, die die Leitung des Hauses der Jugend organisieren wollte. Dazu wurden Helferinnen und Helfer benötigt. Aus diesem HelferInnenkreis heraus zeigten einige der Jugendlichen anschließend selbst Interesse, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen und die Veranstaltungen mit zu organisieren.

Die Aktionsgruppe sammelt Vorschläge und Wünsche der Besucherinnen und Besucher des Hauses der Jugend. Vor jeder neuen Veranstaltung tritt dieser Kreis an die hauptamtlichen Angestellten des HdJ heran und stellt die Idee vor. Dann wird gemeinsam überlegt, entwickelt und umgesetzt.


Die Entstehungsgeschichte:

Im HdJ gibt es derzeit überwiegend zwei Musikrichtungen: "hiphop" und "techno" für die "Jüngeren" und "drum+base" für die "Älteren". Von den Älteren kam der Vorschlag, mal eine richtig große Musikveranstaltung zu organisieren. Das Leitungsteam gründete daraufhin ein eigenes Vorbereitungs- und Organisationsgremium aus zwei Jugendlichen und der Leitung des HdJ. Im weiteren Verlauf der Planung und bei der Veranstaltung selbst übernahmen fast 20 Jugendliche freiwillig verschiedene Arbeiten.

Sie suchten einen passenden Ort/Halle: die Nußdorfer Turnhalle schien den jugendlichen Insidern am besten geeignet. Eine musikalische Rangliste an DJ's wurde aufgestellt: ein Headliner aus England, 2 - 3 lokale Größen aus dem Rhein-Main-Gebiet, 2 DJ's aus dem Haus der Jugend. Diese wurden nun vom Team "abtelefoniert" und inklusive der Agenturen der DJ's organisiert. Außerdem plante die Gruppe den Ablauf des Abends und übernahm die Organisation (u.a. Abholung und Betreuung des DJ, Security...) und die Werbung: Plakate und Flyer wurden selbst entworfen und im Rhein-Main-Gebiet verteilt.

Das Ergebnis:

BIG BEATS war eine musikalische Großveranstaltung und fand am 16. Januar 1999 statt. Star des Abends war DJ SHY FH, exklusiv aus England eingeflogen.
Die Veranstaltung war ein großer Erfolg: 500 BesucherInnen und super Stimmung.
Alle Beteiligten waren zufrieden mit dem Ergebnis, bereits zwei Tage nach der Veranstaltung wollten einige Jugendliche weitere Events planen.

  • Die Beteiligung der Jugendlichen hat sich aus Sicht der hauptamtlichen Verantwortlichen als besonders effektiv erwiesen:
  • Die Bedürfnisse, Interessen und das Eigenengagement der Jugendlichen wurden von Anfang an ernst genommen und berücksichtigt.
  • Die Ideen wurden unbürokratisch und schnell aufgegriffen und gemeinsam mit den Jugendlichen realisiert.
  • Es gab sofort sichtbare Erfolgserlebnisse, die zu weiteren Aktivitäten angeregt haben.

Für die Zukunft sind bereits weitere Veranstaltungen im musikalisch-kulturellen Bereich geplant (2 größere und mehrere kleine). Sie werden auch weiterhin vom Kreis der Jugendlichen mit vorbereitet und organisiert.